Palais 2018

Palais der Altstadt

Ein Palais – woran denken Sie, wenn Sie das Wort lesen? Bilder von aristokratischem Lebensstil und Prachtentfaltung steigen vor dem inneren Auge auf, repräsentative Architektur, Zimmerfluchten, elegante Empfänge, geschichtsträchtige Treffen. Auch in Salzburg gibt es einige dieser bedeutenden historischen Gebäude und obwohl sie heute natürlich ganz anders genutzt werden, spürt man noch den Hauch ihrer großen Vergangenheit. 

Langenhof

Der Langenhof ist ein Stadtschloss in der Sigmund-Haffner-Gasse 16 in Salzburg. Es heißt „Langenhof“, weil es an Stelle eines Palastes erbaut wurde, der einst von Fürst Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg im frühen 16. Jahrhundert errichtet worden war. Das heutige Gebäude ist jüngeren Datums. Es wurde 1670 für Fürst Erzbischof Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg erbaut. Und zwar für nahe Familienangehörige der Kuenburgs, einem der angesehensten Adelsgeschlechter Salzburgs.

Palais 2018
Wappen am Langenhof

Für die eindrucksvolle Erscheinung des auch „Palais Kuenburg“ genannten Gebäudes wurden drei ältere Häuser zusammengelegt. Eines davon der erwähnte Palast von Matthäus Lang. Die anderen Teile gehörten den Lehensherren von Kuchl und der Diözese. Letztere nutzte es als Wohnhaus für die Chorknaben des Domorchesters. Die Knaben zogen später in das Kapellhaus, heute Sigmund-Haffner-Gasse 20.

Seit etwa 1713 wird das Gebäude offiziell als „Gräflich Kuenburgisches Palatium“ oder Palais Kuenburg bezeichnet und galt als einer der bedeutendsten Adelspaläste im Salzburger Stadtzentrum. Die südliche Tordurchfahrt beherbergt die romanische Skulptur eines liegenden Löwen aus der Zeit um 1150, die vermutlich aus der ursprünglichen Kathedrale – dem Virgil-Dom stammt.

Palais 2018
Löwe im Langenhof © Bundesdenkmalamt

Um 1800 gestaltete Johann Georg Laschensky eine neue klassizistische Fassade für die ausladende vierseitige Anlage um einen rechteckigen Innenhof Im Erdgeschoß ranken sich weiße Marmor-Arkaden. Interessant auch das Dach, sofern Sie es sehen können (sonst hilft Google Maps), ein sogenanntes „Grabendach“.

Diese Art von Dach-Architektur war in Salzburg weit verbreitet, jenes des Langenhofes gilt als besonders gut erhalten. In dem weiträumigen Palais sind heute Wohnungen, Geschäfte, Kanzleien und der Sitz der Internationalen Salzburg Association untergebracht.

Palais 2018
Langenhof © Dr. Schmidt / Kulturabteilung Salzburger Landesregierung

Erzbischöfliches Palais

Der Bau ist aus dem Zusammenschluss von zwei ursprünglich getrennten Kanonikalhöfen (des Reckheimschen Kanonikalhofes um 1690 entstanden. Das Portal wird von einem Wappen von Fürsterzbischof Maximilian Josef von Tarnóczy geziert. Das alte Portal zur Kapitelgasse trug bis 1693 ein Wappen von Markus Sittikus. Der Reckheimsche Kanonikalhof zur Kapitelgasse war um 1830 Sitz der Festungskommandatur der Festung Hohensalzburg.

Palais 2018
Erzbischöfliches Palais, Salzburg

Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten und dem Anschluss an Deutschland musste Erzbischof Andreas Rohracher am 12. Oktober 1939 ein Ausweichquartier im Erzstift St. Peter beziehen, erst am 10. Dezember 1947 konnte er ins Erzbischöfliche Palais zurück. Seitdem sind dort wieder alle kirchlichen Dienststellen, mit Ausnahme des Caritasverbandes, untergebracht.

Palais 2018
Erzbischöfliches Palais, Detail am Tor

Neustein

Ein verborgenes Juwel der Altstadt ist das von Glyzinien umrankte Schlösschen am Beginn der Arenbergstraße, zugehörig dem  Teil des Weltkulturerbes Äusserer Stein. Das 1783 bis 1785 von Hofbaumeister Georg Laschensky als Lederfabrik erbaute klassizistische Gebäude wurde von Max Freiherr von Erggelet 1889 zu einem Garten-Palais für seine Sommer-Aufenthalte in Salzburg umgebaut.

Seine Tochter, Marianne Freifrau von Erggelet, veranstaltete regelmäßig legendäre „Tee-Salons“, ein kulturelles Forum für schöngeistige Themen und Hauskonzerte. Zu den Gästen zählten Hugo von Hofmannsthal, Arturo Toscanini und die Familie Karajan – die kleinen Söhne Herbert und Wolfgang spielten währenddessen im Garten.

Herzstück des bezaubernden Hauses ist ein kleiner Konzertsaal, der Pausingersaal. Seine kassettierten Holzvertäfelungen sind das Geheimnis für hervorragende Akustik. Deshalb eignet sich der Pausingersaal besonders für Kammerkonzerte und Instrumenten-Soli. Sotheby’s London nutzt den Raum für die Präsentation von historisch bedeutenden Violinen der weltberühmten Geigenbauer Stradivari oder Guarneri del Gesu. Kein Wunder, dass ein internationaler Geigen-Fonds beabsichtigt, im Palais Neustein seinen Sitz zu eröffnen.

Palais Faber

Der Prunkbau wurde um die Jahrhundertwende vom Industriellen Moritz Faber im Stile der Wiener Ringstraßen-Bauten errichtet. Der Besitzer der Brauerei Liesing verwirklichte sich zu seinen Lebzeiten (1837 – 1921) auch noch mit den prominenten „Faberhäusern“ in der heutigen Rainerstraße.

Eine damals geschmacklich umstrittene Gestaltung der Bauwerke begann. Faber legte Wert auf höchst repräsentative Wirkung und beabsichtigte, den damaligen Zubringer Westbahnstraße in Richtung der für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt überaus wichtige Bahnstation – zur Prachtstraße zu entwickeln.

Bald wird aus dem ehemaligen Herrenhaus ein Luxushotel. Die Restaurierung der denkmalgeschützten Fassade sowie die baulichen Adaptionen für den Hotelbetrieb starten 2019.

Ein Salzburg-Spaziergang mit Blick auf herrschaftliches Leben der Vergangenheit lohnt sich!

 

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