Täschner Bernhard Hladik im Interview (c) Wilfried Kropp

Traditionsreiches Handwerk vorgestellt: Nähross und Viertelmond

Ein Interview mit dem Täschner Bernhard Hladik.

Leder, Leder, überall Leder. Und dann dieser charakteristische Duft im ganzen Haus. Jeder Besucher spürt sofort, welches Handwerk Bernhard Hladik, ausübt: Er ist, nach der offiziellen Bezeichnung, „Täschner und Ledergalanteriewaren-Erzeuger“, der einzige seiner Art in der Stadt Salzburg.

Schatzkammer

Auf den ersten Blick verkauft das Geschäft am Kajetanerplatz im Erdgeschoß Koffer, Taschen, Geldbörsen, Rucksäcke bekannter und hochwertiger Marken. Die Täschnerei breitet sich erst in den Obergeschossen des alten Hauses aus.

Hier öffnet sich eine Art Schatzkammer: An den Wänden alte, bewährte Werkzeuge, unendlich viele Schachteln, in denen Nieten, Schnallen und anderes Zubehör aufbewahrt werden. Und immer wieder neue, bis zum Plafond reichende Stapel von Leder, in allen Farben, Stärken und Zuschnitten. Vom Rind, Kalb, Ziege, Lamm, Hirsch, Strauß. Aus diesem fast unendlichen Fundus schöpft Bernhard Hladik.

Individuell & außergewöhnlich

Es kommen ausschließlich Kunden zu ihm, die etwas Außergewöhnliches, Individuelles wollen: Für die traditionelle Trachtträgerin eine handgefertigte Metzgertasche. Für die junge Frau den „Nachbau“ einer außergewöhnlichen Handtasche, die es nicht mehr zu kaufen gibt. Für das Handy eine Hülle aus schwarzem Straußenfußleder. Für das Baby eine Tasche, in der Flascherl und Gläschen transportiert werden können. Für den Jäger eine Umhängetasche oder eine Gewehrhülle, die aus dem Leder des selbst geschossenen Hirsches gefertigt wurde. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Die Gemeinsamkeit dabei: Es sind immer Kunden, die ein Einzelstück suchen, das viele Jahre seinen Zweck erfüllen soll. Bernhard Hladik: „Zum Glück nimmt die Zahl dieser Kunden zu.“ Zu diesem Trend zur Nachhaltigkeit passt auch die wachsende Zahl von Reparaturaufträgen, die aus ganz Österreich und Bayern eintrudeln:

„Die guten Stücke, oftmals Erbstücke, sollen an die nächste Generation weitergegeben werden.“

Bernhard Hladik führt die Täschnerei in vierter Generation. Seit 1894 befindet sich das Unternehmen in einem schmalen Haus in der Schanzlgasse (Kajetanerplatz). Das direkt an den Fels des Festungsberges gebaute Haus wurde 1659 als „Eckstöckl“ erstmals in Dokumenten erwähnt. Es passt zu diesem traditionsreichen Haus, dass auch die alten Werkzeuge aufbewahrt, gepflegt und teilweise auch noch benutzt werden.

Sie tragen so einprägsame Namen wie Viertelmond, Ahle oder Punziereisen. Ein besonderes Schmuckstück, vermutlich das älteste Werkzeug im Haus, ist das „Nähross“ (siehe Foto oben), das wie ein Schaukelpferd aussieht, dem Täschner aber ein bequemes Arbeiten ermöglicht, weil das Leder in Brusthöhe eingespannt werden kann.

Kontakt

Lederwaren Hladik
Am Kajetanerplatz/Schanzlgasse 6
5020 Salzburg
Tel +43 662 840401
office@lederwaren-salzburg.at
www.lederwaren-salzburg.at

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