Finale von Jazz & The City Salzburg 2018 im Mirabellgarten (c) Wildbild

Das war Jazz & The City Salzburg 2018: „Du erkennst mich an der Trompete“

220 MusikerInnen und über 25.000 BesucherInnen feiern gemeinsam ein großes Fest in der Altstadt bei Jazz & The City Salzburg 2018!

„Heute um acht im Toihaus?“ So oder ähnlich muss es geklungen haben, als Volker Goetze auf der Suche nach einer neuen Partnerin seine Rufnummernliste abtelefonierte. Aber die Mühe hat sich gelohnt – er wünschte sich eine aufgeschlossene, neugierige und unternehmungslustige Partnerin und er fand sie in Almut Kühne. Ob das eine Verbindung auf Lebenszeit würde spielte dabei keine Rolle.

Das Konzept der musikalischen Blind Dates, zum ersten Mal ein essentieller Bestandteil des Programms von Jazz & The City, ging auf. MusikerInnen aus unterschiedlichsten Nationen und Traditionen fanden sich dabei zusammen, oft so spontan, dass noch 30 Minuten vor Konzert nicht klar war, wer nun wirklich kommen würde.

Und so entstanden so ungewöhnlich Formationen, wie der „Bassisten-Summit“ mit Jasper Hoiby, Robert Landferman und Lukas Kranzelbinder in der Galerie Kunst im Traklhaus.

Der Pianist Pablo Held, der nicht nur sich selbst einen Traum erfüllte, als er den legendären amerikanischen Geiger Mark Feldmann zu seinem Blind Date lud oder eben das oben erwähnte Traumpaar mit der improvisierenden Sängerin aus Berlin und dem in New York lebenden Trompeter.

Nicht nur die MusikerInnen, vor allem das Publikum zeigte sich begeistert von diesen öffentlichen Liebeserklärungen.

Mehr als 25.000 BesucherInnen feiern ein Fest des Entdeckens

Mehr als 25.000 Menschen ließen sich zwischen Mittwoch, 17. und Sonntag, 21. Oktober von der Macht der Musik einnehmen und der Idee des Entdeckens.

Und davon gab es viel – ganz gleich ob im intimen Rahmen der Weinkeller, Gasthäuser oder Handwerksbetriebe oder auch von in Salzburg nie zuvor gehörten KünstlerInnen auf den großen Bühnen wie im Salzburger Landestheater, der Universität Mozarteum oder der SZENE.

Anne Paceo im Salzburger Landestheater (c) Andreas Kolarik
Anne Paceo im Salzburger Landestheater (c) Andreas Kolarik

Auch wenn die Gitarre noch am Flughafen hängen geblieben war und der Ersatz erst während des Konzerts auf die Bühne gebracht werden konnte, war das Salzburg-Debüt der französischen Drummerin Anne Paceo ebenso unvergesslich für das Publikum wie die mitternächtlichen Konzerte von Donny Mc Caslin oder Thomas de Pourqueris Supersonic.

Donny McCaslin im Szene Theater (c) Andreas Kolarik
Donny McCaslin im Szene Theater (c) Andreas Kolarik

220 MusikerInnen verwandelten die Altstadt in eine lebendige Musikstadt, ein Paradies für Musikfreunde. Ein wunderbarer Zusammenhalt war überall zu spüren, nicht nur unter den MusikerInnen, sondern auch zwischen KünstlerInnen und BesucherInnen.

Man traf sich auf der Straße, tauschte sich aus, verabredete sich. Tipps wurden weitergegeben, Begeisterung geteilt und geweckt und vor allem viel miteinander geredet und gelacht. Wo vorher ein unbekannter Name stand, wurde sich auf einmal über einen neuen Lieblingsmusiker gefreut.

Streifenjunko - Klangspaziergang (c) Andreas Kolarik
Streifenjunko – Klangspaziergang (c) Andreas Kolarik

Musikalische Vielfalt und Vielfalt der Spielorte

Jazz stand im Fokus, wurde in allen möglichen Formen und Farben präsentiert – und gemeinsam gefeiert. Mittelöstliche Klänge von NES im Traditionscafé Tomaselli, Jazz-Improvisationen und Experimentalfilme von Peter Sempel im Künstlerhaus, Altmeister Ralph Towner im Weinarchiv der Blauen Gans.

Der brasilianische Soul-Jazz-Sänger Ed Motta in der SZENE, die britischen Sänger Ian Shaw, der seit 2016 eine große Fangemeinde in Salzburg hat und dieses Mal mit seiner kongenialen Partnerin Liane Carroll im St.Peter Stiftskulinarium auftrat, der Vokalakrobat Andreas Schaerer mit einem umwerfenden, völlig akustischen Solo-Programm im Mozartkino, Organist Kit Downes in der Kollegienkirche – die Highlights sind so zahlreich wie individuell.

Mit Lust verloren gehen

Das Motto „Let’s get lost“, dieses sich treiben lassen als Konzept, ging auf. Das Angebot war ein Luxus, erneut bei freiem Eintritt. Wer neugierig auf eine Band oder ein Konzept war, konnte, nur auf das Risiko überrascht zu werden, etwas Neues ausprobieren.

Tatsächlich war das Interesse groß, die Begeisterung ebenso. Und wenn mal etwas nicht nach dem eigenen Geschmack war, wurde man beim nächsten Konzert fündig.

Der Sonntagmittag im Mirabellgarten war eine wunderbare Bestätigung für den Geist des Festivals.

Vom ZiegenYoga der Psyschwestern (einer Salzburger KünstlerInnen-Gruppe) – über Bambusrohr-Blasende MusikerInnen und ParkbesucherInnen, seltsamen Verkehrslärm in der Orangerie des Soundkünstlers Nicola de Croce, bis hin zur wilden Schw!ng Party mit begeistert tanzendem Publikum auf dem Zauberflöten-Spielplatz zeigte Jazz & The City zum erneuten Mal, wie aufgeschlossen die SalzburgerInnen und ihre Gäste sich der Improvisation und der Freude hingeben.

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