Justizgebäude 2018

Reloaded – Justizgebäude Salzburg

Nach einer aufwändigen Generalsanierung – drei Jahre lang dauerten die Bauarbeiten – zeigt sich das ehrwürdige Justizgebäude Salzburg nun in all seiner aufgefrischten, wiedergefundenen Pracht. Mit der zweiten Novemberwoche startete das Haus in den Normalbetrieb. Die (unbescholtenen) Salzburger dürfen sich auf interessante architektonische Einblicke freuen. Und auf einen brandneuen Treffpunkt in der Altstadt – ein Dachterrassen-Café, hoch über Justitias Arbeitswelt.

50 Millionen Euro hat die Renovierung des riesigen Komplexes zwischen Rudolfsplatz und Kajetanerplatz gekostet. Die über hundert Jahre alte Gebäudestruktur und die repräsentativen Außenfassaden des historischen Gerichtshauses blieben aus Denkmalschutz-Gründen nahezu unverändert.

Die Pläne für die Komplett-Sanierung und Erweiterung des Justizgebäudes stammen von SUE Architekten aus Wien. Sie haben im EU-offenen Wettbewerb den ersten Preis errungen.

Justizgebäude 2018
Justizgebäude Salzburg, Atrium © Lukas Schaller

„Früher hatte ein Gerichtsgebäude die Majestät des Rechts auszustrahlen. Der Untertan hatte sich klein zu fühlen, wenn er die Hallen der Justiz betrat. Und wenn er dann zu Kerker verurteilt war, sollte der Bürger als Strafgefangener tunlichst versteckt werden vor der Öffentlichkeit. Wir haben auch architektonisch mit diesem überkommenen Verständnis von Justiz gebrochen und radikale Eingriffe in das Salzburger Justizgebäude vorgenommen. Transparent und offen, so wie wir uns die Gerichtsbarkeit in einer Demokratie vorstellen“ (SUE Architekten).

Zweckmäßige und ästhetische Optimierung

Im Zuge der Bauarbeiten wurde der Palast aus dem 19. Jahrhundert geöffnet, Zubauten, auch ehemalige Gefängniszellen aus den 1970er Jahren aufgebrochen und das etwas erratische (manche meinten „kafkaeske“)  Raumsystem zweckmäßig und ästhetisch optimiert.

Justizgebäude 2018
Justizgebäude Salzburg, Haupteingang @ Lukas Schaller

Um eine bürgernahe und fortschrittliche Justiz zu manifestieren und die Öffentlichkeit einzubeziehen, ist der Innenhof  des Baukomplexes über vier Durchgänge aus allen Himmelsrichtungen nun frei zugänglich.

Die Öffnung vom Justizgebäude Salzburg zur Stadt erreichten die Planer durch die Aktivierung aller Eingänge und die Neuerrichtung eines 7.000 Quadratmeter umfassenden Y-förmigen Verbindungsbaus im Hof. In dieser „Brücke“ zwischen den bestehenden Trakten sind alle Verhandlungsräume untergebracht.

Zeitgemäße Stadt- und Raumkomposition

Mit einem abwechslungsreichen Arrangement von Terrassen, Brücken, Treppen und abgesenkten Höfen konzertieren wir eine vielschichtige, zeitgemäße Stadt- und Raumkomposition im Inneren in angenehmer Tonalität, die entspannt vom denkmalgeschützten „Gebäudering“ umfasst wird (SUE Architekten).

Durch die Verlegung der Justizanstalt nach Puch  wurde die Gerichtsarbeit vom Vollzug losgelöst. 230 Mitarbeiter, Richter, Staatsanwälte und Justizbedienstete haben ihre Büros, die nun modernste Standards erfüllen, bezogen und machen sich mit den neuen Verhandlungssälen vertraut. Unzählige Kartons und Kisten sind von den improvisierten Ausweichquartieren wieder zurück ins Justizgebäude gewandert.

Justizgebäude 2018
Justizgebäude Salzburg, Verhandlungssaal © Lukas Schaller

Im Einklang mit der Bundes-Immobilien-Gesellschaft, dem Salzburger Denkmalamt und der Kommission zur Altstadterhaltung haben die Architekten  höchst achtsam die Kriterien des Weltkulturerbes im Auge behalten.

Das Justizgebäude im Einklang mit den Kriterien des Weltkulturerbes

Die Sanierung eines im Wesentlichen denkmalgeschützten Baues birgt auch für die pragmatische Seite ordentliche Herausforderungen. Zeitgemäße Technik (etwa bei  Brandschutzmaßnahmen und in Fragen der Sicherheit) soll innerhalb der klassizistischen Großzügigkeit des Bauwerks klaglos funktionieren.

Justizgebäude 2018
Justizgebäude Salzburg © Lukas Schaller

„Mit unserer aus denkmalpflegerischer Sicht behutsamen und in der öffentlichen Wahrnehmung doch signifikanten Öffnung des Komplexes nehmen wir dem Gebäude seinen autoritären, hermetischen Charakter und verzahnen den heterogenen Umraum der Salzburger Altstadt mit dem Gebäude.  Es wird klarer und übersichtlicher und bietet neue Wege, Ein- und Ausblicke – in welchem Bedeutungssinne auch immer“ (SUE Architekten).

Neueröffnung: Schanzlalm

Das nagelneue Café auf der Dachterrasse am Justizgebäude können Jedermann und Jedefrau ebenfalls besuchen. Und neben der spektakulären Architektur den Ausblick bestaunen. Die Eröffnung der Gastronomie im beziehungsweise auf dem Justizgebäude ist für den 19. November 2018 geplant. Pächter Thomas Gschwandtner gab seinem Lokal, das weit über der Schanzlgasse thront, übrigens den Namen „Schanzlalm“.

Justizgebäude 2018
Justizgebäude Salzburg, Dachterrasse © Lukas Schaller

 

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