Schloss Mirabell © Tourismus Salzburg

Mirabell – ein Schloss für Salome

Wenn wir zur Pass-Verlängerungsstelle eilen oder zu einer Hochzeit im Marmorsaal eingeladen sind oder im Magistrat der Stadt Salzburg Bürokratisches erledigen, nehmen wir natürlich die prächtigen Räume und die herrschaftliche Ausstattung im Schloss Mirabell wahr. Dass das Schloss  einst als Liebesgabe für eine bemerkenswerte Frau erbaut wurde, ist uns während der Amtsgeschäfte und in Gesellschaft der vielen BesucherInnen und TouristInnen wohl nicht immer bewusst …

Als „die Schönste der Stadt“ beschreiben zeitgenössische Chronisten Salome Alt (1568 – 1663). Groß gewachsen, mit rotbraunem Haar und klaren grauen Augen. Kein Wunder, dass das Auge des zukünftigen Landesfürsten verliebt und begehrlich auf das reizende Mädchen fällt.

Als seine Ehefrau „zur linken Hand“ wird sie dem geweihten Priester 15 Kinder schenken und ihm liebevoll ergeben bleiben. Seinen tragischen Niedergang, gefolgt von einem frühen Tod in Gefangenschaft muss sie aus der Ferne miterleben. Kein einfaches Frauenschicksal.

Mirabell 2018
Portrait Salome Alt © http://members.kabsi.at/seeau/Encyclopaedia/LinienMuetter/Familie-Altenau.htm

Geboren wird Salome als Tochter des Wilhelm Alt. Eines wohlhabenden Kaufmanns und Ratsherrn, im Haus Nr. 6 der heutigen Sigmund-Haffner-Gasse der fürsterzbischöflichen Stadt Salzburg. Der junge Domherr Wolf Dietrich von Raitenau (1559 – 1617)  ist von der hübschen Kaufmannstochter schnell überaus angetan. Eine schicksalhafte Verbindung beginnt.

Mirabell 2018
Pegasusbrunnen im Mirabellgarten © Tourismus Salzburg

Komplizierte Verhältnisse im Schloss

Zu dieser Zeit ist die wilde Ehe – noch dazu mit einem Geistlichen – natürlich eine nicht zu tolerierende Unmoral. Dem Liebespaar wird ein „ärgerliches Leben“ vorgeworfen. Salomes Eltern verstoßen ihre Tochter und die politischen Gegner des Erzbischofs spielen seine Liebe zu der jungen Frau gegen ihn aus.

Sie selbst ist ihrem Mann laut spärlicher persönlicher Quellen sehr zugetan. Noch in den letzten Lebensjahren bezeichnet sie Wolf Dietrich als ihren „lieben guten Herrn“. Salome Alt ist keine intrigante Mätresse wie Madame Pompadour oder Madame Dubarry. Die sanfte Frau strebt nicht nach Glanz und Macht. Sie ist dem Erzbischof loyale Gefährtin und den Kindern eine engagierte Mutter.

Mirabell 2018
Rosengarten Mirabell © Tourismus Salzburg

Altenau – Mirabell

Wolf Dietrich glaubt von dem Tag ihrer beider Begegnung an bis zu seinem Tod, dass die Erlaubnis für Priesterehen nur noch eine Frage von Tagen sein könne. Wie wir wissen,  ist dies für die katholische Kirche bis heute keine Option, nicht einmal Thema.

Entgegen seiner Hoffnung kann er die Verbindung nie legalisieren, revanchiert sich aber standesgemäß. Nach 22-jährigem Konkubinat – bisher mit zehn gemeinsamen Kindern –  lässt Wolf Dietrich 1606 außerhalb der Stadtmauern für Salome Alt ein eigenes standesgemäßes Anwesen, Schloss Altenau errichten. Vorläufer des Schlosses Mirabell, in dem wir heute ein und aus gehen.

Diese Sommerresidenz jenseits der Salzach lässt Wolf Dietrich mit herrlichen Gartenanlagen – nach  Vorbild der Renaissancegärten, die er in seiner Jugend in Italien gesehen hatte – ausstatten. „Ain schöns, groß, geviert, herrliches Gepeü, wie ain Schloß oder Vestung, mit einem wolgezierten, von Plech gedeckten, glanzeten Thurn, und inwendig, auch außenherumb, mit schönen Gärten und allerlai Kreutlwerch, Paumbgewächs und Früchten garniert und versehen.“

Mirabell 2018
Mirabellgarten © Tourismus Salzburg

Durch eine als Schrank getarnte Tür sind die Gemächer von Salome Alt mit den Fürstenzimmern der Residenz zu Salzburg verbunden. Sie dient dem Fürstenerzbischof von Salzburg den Regeln der Gesellschaft des 16. Jahrhunderts angepasst als „Hausmutter“ und nimmt am Gesellschaftsleben des Salzburger Hofes in weitem Umfang teil. 1609 zeigt Kaiser Rudolf II. Verständnis für ihre schwierige Lage und erhebt sie in den Reichsadelsstand, ihre Kinder sind damit vom Makel der unehelichen Geburt befreit.

Mirabell 2018
Schloss Mirabell © Österreich Werbung

Seine Tage als Herrscher waren gezählt

1611 lässt Wolf Dietrich Salome und die Kinder in den Pinzgau bringen, als sich abzeichnet, dass seine Tage als Herrscher gezählt sind. Nach seinem Sturz und der Verbannung auf die Festung wird auch Salome Alt verhaftet. Bald jedoch auf Befehl des Domkapitels wieder freigelassen.

Sie flieht zu ihrer Cousine Felicitas Alt (1569-1618) nach Wels in Oberösterreich, die mit mit dem Handelsherrn Christoph Weiß (1548-1617) verheiratet ist. Salome findet hier eine neue Heimat und erzieht ihre Kinder standesgemäß.  Wolf Dietrich und Salome Alt haben einander nach seiner Festnahme nie mehr wieder gesehen.

Salome überlebt alle ihre männlichen Nachkommen, das Geschlecht erlischt.

Mirabell 2018
Schloss Mirabell © Tourismus Salzburg

Nach dem Tode Wolf Dietrichs wird Schloss Altenau Markus Sittikus von Hohenems (1612-1619) und dessen Nachfolgern immer wieder komplett umgebaut und – wohl damit das „sündige“ Leben seines Vorgängers in Vergessenheit versinke –  in Schloss Mirabell umbenannt.

Beim nächsten Weg zur Wahlkarten-Ausgabe oder ins Büro eines Stadtpolitikers oder beim Bestellen des eigenen Aufgebots werden wir sicherlich daran denken, wieviel ganz privates Glück und Leid diese Mauern als Zeugen einer berührenden Liebesgeschichte gesehen haben …

Zum Abschluss noch ein Tipp:

Was den Geburtsort unserer Heldin in der Altstadt betrifft, dürfen wir hier schnell noch auf eine besondere Veranstaltung hinweisen –  morgen am 8. und Samstag, 9. Juni findet in der Umgebung ihrer Kindheit, der Sigmund-Haffner-Gasse, wieder das nun schon bekannte und beliebte Fest unter dem Motto Dolce Vita statt.

Die ansässige Gastronomie und die Geschäfte lassen sich ein unterhaltsames Programm einfallen. Darüber hinaus gibt es tolle Angebote! Der im Kaufmannshaushalt aufgewachsenen Salome hätte das bestimmt gefallen …

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