Mozart und Jazz / Jazz & The City (Foto Wildbild)

Mozartesque: Mozart und Jazz – passt das zusammen?

Mozart und Jazz – passt das zusammen? Ein Versuch zwischen Amadeus und Avantgarde, auch in der Vorfreude auf Jazz & The City, das Festival, das vom 17. bis 21. Oktober 2018 wieder einmal die Salzburger Altstadt in ein Jazzparadies verwandelt.

„Miles Davis ist nicht Mozart“ lautete die schiefe Schlagzeile, mit der Anfang Januar 2018 eine Veröffentlichung des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig kommentiert wurde. Fünf WissenschaftlerInnen hatten in einer Studie festgestellt: „die Gehirne von Jazz- und Klassik-Pianisten ticken unterschiedlich“. Genauer gesagt „konzentrieren sich klassische Pianisten bei ihrem Spiel besonders auf (…) das „Wie“.

Für sie geht es darum, ein Stück technisch einwandfrei und persönlich ausdrucksstark wiederzugeben. Hierfür ist etwa die Wahl des Fingersatzes entscheidend. Anders hingegen bei den Jazzpianisten. Sie fokussieren sich vor allem auf das „Was“. Sie sind stets darauf vorbereitet, zu improvisieren und ihr Spiel flexibel an überraschende Harmonien anzupassen.“

Beziehung zwischen Jazz & Klassik

Dennoch und entgegen allen E- und U-Konstrukten, pflegt die Jazzwelt seit jeher eine innige Beziehung zur „Klassik“. Abgesehen vom „Third Stream“, dessen Protagonisten Gunther Schuller und John Lewis Ende der Fünfzigerjahre eine Mixtur aus Komposition und Improvisation schaffen wollten, bediente sich Bix Beiderbecke bei Debussy (und umgekehrt), widmete sich der große Bandleader Duke Ellington Werken von Tschaikowsky und Grieg.

Schrieb Strawinsky sein „Ebony Concerto“ für den Klarinettisten Woody Herman, machte Dave Brubeck gemeinsame Sache mit Leonard Bernstein und begründete der französische Pianist Jacques Loussier seine internationale Karriere auf „Play Bach“, um nur einige wenige zu nennen.

Zugegeben, der Amadeus aus der Getreidegasse und seine Kompositionen finden sich seltener im Jazz-Kontext. Aber sie finden sich. Eines der frühesten Tribute gab diesem Beitrag seinen Titel: „Mozartesque“ vom Album „Jazz-Lab 1“ des Westcoast-Waldhornisten John Graas von 1956.

„Für mich war Mozart einer der größten freien Improvisierer“, kommentiert Graas seine Komposition, auf der hier auch Jimmy Giuffre an der Klarinette zu hören ist.

Opus for Mozart

Acht Jahre später komponierte der Vibrafonist Gary Burton ein „Opus for Mozart“ in „Mozart’s style“. Er spielte es als Teil des Quintetts des Pianisten George Shearing ein. „Das Cembalo ist hier das Hauptinstrument,“ schrieb Burton im Begleittext. „Es spielt das Thema und außerdem einige mozartsche Improvisationen“.

Burton sollte noch Jahrzehnte später mit den Pianisten Chick Corea und Keith Jarrett auftreten, deren Liebe für Mozart offensichtlicher nicht sein könnte. So traten sie etwa 1985 gemeinsam mit einem Doppelklavierprogramm mit The New Japan Philharmonic in Tokio auf.

Chick Corea nahm 1996 außerdem ein gemeinsames Album mit „Mozart Sessions“ mit dem Sänger Bobby McFerrin auf.

Zurück in die Sechzigerjahre

Im selben Jahr wie die Schallplatte des Shearing Quintetts erschien auch „Swinging Mozart“. Ein Album der in Paris beheimateten Vokalgruppe Swingle Singers. Etwa mit „Une Petite Musique De Nuit“ und Begleitmusikern wie Guy Pedersen am Bass und Daniel Humair am Schlagzeug.

Gut möglich, dass Robert Levin, der 1964 sein Studium in Paris bei Nadia Boulanger abschloss – bei der auch Quincy Jones oder Donald Byrd studiert hatten – diese Musik hörte. Sicher ist, dass die „Mozart Improvisationen“ des amerikanischen Pianisten und Pädagogen Wege aufzeigen, die auch für Jazz-MusikerInnen interessant sind.

Der Jazz-Pianist, der sich aktuell wohl am Intensivsten mit Improvisationen zu Mozarts Musik beschäftigt, dürfte der Amerikaner Uri Caine sein. Etwa zu erleben bei seiner Improvisation über das Allegretto „Alla Turca“.

Ob und wie sich KünstlerInnen des diesjährigen „Jazz & The City“ mit Mozart und seiner Musik auf der Bühne auseinandersetzen werden, steht noch aus. Dass sich jeder von ihnen in Salzburg von Zeit zu Zeit „mozartesque“ fühlen wird, ist dagegen wohl außer Frage. Und sei es auch nur im Bewusstsein: „Ohne Musik wär’ alles nichts“.

 

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