Weltmusik zu Gast in Salzburg: Naïssam Jalal & Rhythms of Resistance zu sehen am 17.10.2018 um 21 Uhr im Szene Theater (c) Emanuel Rojas

Die Welt(musik) zu Gast in Salzburg

Obwohl die Erdkugel rund ist, hat sie Ecken. Aus vielen von ihnen kommen auch 2018 wieder faszinierende Künstler zu Jazz & The City, dass von 17.-21. Oktober in Salzburg stattfindet. So wird das Festival auch eine musikalische Weltreise von Salzburg über Sierra Leone oder den Senegal über Japan bis in den Iran und zurück.

„Die Glücklichen sind neugierig“, wusste schon Nietzsche. Dass auch der Umkehrschluss gelten kann, will auch heuer das Musikfestival „Jazz & The City“ zeigen. Aus mindestens fünfundzwanzig Nationen kommen die KünstlerInnen dieser neunzehnten Ausgabe – was nicht nur die ausgewiesen Neugierigen glücklich stimmen wird.

Ohnehin gibt es an diesen fünf Oktobertagen einiges zu entdecken. Die neuen Programme alter Bekannter, sowie von Salzburg-DebütantInnen hat der Blogbeitrag vom 28. August thematisiert. Hier soll es jetzt also um die unterschiedlichen „WeltmusikerInnen“ gehen – im aller weitesten und offensten Sinne.

Geschenk Gottes

Ein „Geschenk Gottes” ist die Sängerin Mariama aus Sierra Leone, so will es schon die Übersetzung ihres Vornamens. In Free Town geboren, in Deutschland aufgewachsen und mittlerweile in Paris zuhause, hat die Sängerin nicht nur mit dem Projekt „Brothers Keepers“, dem Rapper Curse oder im Vorprogramm des singenden MC Max Herre Erfahrungen gesammelt.

Seit ihrem Debütalbum „The Easy Way Out“ vor sechs Jahren ist sie besonders in ihrer französischen Wahlheimat als eine Art Missing Link zwischen Nneka und Miriam Makeba beliebt. Neben schönen Singer-Songwriter-Melodien glänzt sie auch mit R&B-Tracks wie etwa „Raindrops“, der ersten Single ihres demnächst erscheinenden Albums „Love, sweat and tears“. Und live im Afro Café schon am Eröffnungsmittwoch, 17. Oktober.

 

„Ahlam“ ist Arabisch für Träume. Das Trio NES hat sein neues Album so betitelt, aus einem schwärmerischen Grund, wie die Cellistin und Sängerin Nesrine Belmokh erklärt: „Ich träume von Hoffnung und Frieden in den Gärten der Liebe. Mein Traum wäre es, einmal dort zu spielen. Ich glaube, das wird möglich sein.“

Cellist der tausend Klangfarben

Gemeinsam mit dem „Cellisten der tausend Klangfarben“, auch als Matthieu Saglio bekannt, und dem Perkussionisten David Gadea spielt Nesrine, die auch schon im „Cirque du Soleil“ auftrat, seit drei Jahren eine markante „Fusion aus Jazz, Chanson, virtuosem Cellospiel und andalusischer Caja“, wie es Deutschlandfunk „Corso“ beschreibt.

Dass die nicht nur in großen Konzertsälen für Begeisterung sorgt, wie erst kürzlich auf Tour mit u.a. Stefano Bollani und Vincent Peirani, sondern auch im intimen Rahmen, stellt das Trio bei Jazz & The City etwa im Café Tomaselli unter Beweis.

NES (c) www.nereacoll.com
NES (c) www.nereacoll.com

 

Das Duo „Ma Belle Cherie“ beschreibt seine Musik als „Afropop, Highlife, World/Griot Music, Reggae, Afro, Salsa, Jazz & More“. Ein bunter Strauß an Stilrichtungen, den die „African Music Influence“ vereint, die Mamoudou Doumbouya und Raphael Kofi aus Westafrika leben.

Letzterer, ein Drummer und Sänger aus Ghana, organisiert seit 2001 außerdem das African Music Festival in Emmendingen im Südwesten Baden-Württembergs. Nicht ausgeschlossen, dass er dort auf Mamoudou Doumbouya, einen Griot aus Guinea-Conakry traf. Seit einigen Jahren schon machen sie als Duo mit dem romantischen Bandnamen ihre allumfassende Musik.

Hypnotischer Sound

Erlebt man „Ma Belle Cherie“ im Konzert, live und direkt, fragt man allerdings nicht nach Stilen oder Genres, nach Traditionals oder Eigenkompositionen, sondern genießt ihren ansteckenden, oft hypnotischen Sound.

Mamoudou Doumbouya (c) T. Burk
Mamoudou Doumbouya (c) T. Burk

 

In Äthiopien geboren, in Vietnam und Schweden aufgewachsen – man hört die Schubladen förmlich klappern, in die Sofia Jernberg aufgrund dieser geografischen Umstände gesteckt werden könnte. Tatsächlich ist sie eine der experimentellsten und wunderbarsten Stimmkünstlerinnen unserer Zeit, deren Kehlenklicken, Zirpen und Universumsjaulen eher wie „Weltraum-Musik“ wirkt.

Weltraum-Musik

Sie will die „instrumentalen“ Möglichkeiten der Stimme erforschen. Genauso in Arnold Schönbergs „Pierrot Lunaire“ oder in Arbeiten mit dem Trondheim Jazz Orchestra, Christian Wallumrød oder Peter Evans. Mit Cia Rinne, Juliana Hodkinsson und Louise Beck arbeitet sie – als Komponistin, Interpretin und Sängerin – an einer neuen Kammeroper, die 2019 uraufgeführt werden wird. Und wir alle fragen uns, „ob davon schon Anklänge im Festivalkonzert in der Kollegienkirche zu hören sein werden?“.

Seit bald dreißig Jahren lebt die Japanerin Makiko Hirabayashi in Kopenhagen. Seit 2001 und mittlerweile vier Alben spielt die Pianistin im Trio mit der amerikanisch-dänischen Schlagzeugerin Marilyn Mazur und ihrem Ehemann, dem Bassisten Klavs Hovmann.

Dabei meint man immer wieder zu hören, dass alle drei ihren nationalen Musiktraditionen treu bleiben und sie diese trotzdem im improvisierenden Zusammenspiel auflösen. So wie es im Jazz seit Generationen üblich ist.

„Japanische Klänge, ein treffend betitelter „Gallop“, Soundscapes mit Drones und Perkussion. Ein „Scherzo“, das hingebungsvoll in Richtung Zirkusmusik driftet – hier geht einfach alles“, schreibt Jazz thing.

„Den zeitgenössischen Klang des Iran“

…erkennen die Komponistin und Sängerin Golnar Shahyar und der Gitarrist Mahan Mirarab in ihrer Musik. Der aktuelle Albumtitel ihres Trios Golnar & Mahan mit dem Perkussionisten Amir Wahba ist „Derakth“ und übersetzt sich mit „Baum“, was das Repertoire mit starken Wurzeln in der iranischen Musik und Verästelungen in Jazz-Harmonien und World-Grooves bestens beschreibt.

Golnar & Mahan Trio (c) Ina Aydogan
Golnar & Mahan Trio (c) Ina Aydogan

Eine sehr poetische, tiefgründige, komplexe, dabei immer ohne Umschweife verständliche Musik, die an gleich drei Abenden bei Jazz & The City zu erleben sein wird. Ein Glück, besonders für Neugierige.

 

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