20.08.2026

Verkehrsberuhigung ja – aber die Altstadt muss alltagstauglich bleiben

Altstadtverband Salzburg spricht sich für Rot-Kreuz-Parkplatz als Drehscheibe für intelligente Innenstadt-Mobilität aus

Der Altstadtverband Salzburg teilt das Ziel, den Verkehr in der Altstadt Salzburg sinnvoll zu reduzieren und den öffentlichen Raum aufzuwerten. Die Schlussfolgerung der Bürgerliste, aus den Erfahrungen mit der „Stadtoase“ nun die ersatzlose Auflassung des Rot-Kreuz-Parkplatzes abzuleiten, greift aus Sicht des Altstadtverbands jedoch zu kurz.

Die „Stadtoase“ war ein legitimes Projekt, mit dem ein neuer Ansatz ausprobiert wurde. Zu solchen Projekten gehört auch die Bereitschaft, sachlich Bilanz zu ziehen. Dass das befürchtete Verkehrschaos während der „Stadtoase“ ausgeblieben ist, lässt aus Sicht des Altstadtverbands jedenfalls keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Auswirkungen einer dauerhaften Auflassung des Parkplatzes zu. Das schöne Sommerwetter hat wesentlich dazu beigetragen, dass viele Menschen ihre Freizeit außerhalb der Stadt verbracht haben und sich zudem der touristische Verkehr vergleichsweise in Grenzen gehalten hat. 

Zukunftsorientierte Maßnahme für den Lebens- und Wirtschaftsraum Altstadt
Unbestritten ist für den Altstadtverband Salzburg, dass die Nutzung des Rot-Kreuz-Parkplatzes für den touristischen Verkehr nicht mehr zeitgemäß ist und beendet werden sollte. Daraus jedoch abzuleiten, dass der Standort als Teil einer zeitgemäßen Mobilitätsinfrastruktur für die Altstadt insgesamt obsolet geworden wäre, ist der falsche Schluss.
Es geht ausdrücklich nicht darum, zusätzliche Autos in die Altstadt zu „locken“. Es geht darum, die Alltagsfunktionalität der Altstadt als Wirtschafts- und Lebensraum aufrechtzuerhalten und zu fördern. Dafür braucht es auch künftig eine begrenzte Zahl an Stellplätzen für Anrainer:innen sowie für Menschen, die beruflich auf die Erreichbarkeit der Altstadt angewiesen sind.

Stellplätze für Bewohner:innen werden zunehmend knapp
Schon heute sind Stellplätze für Bewohner:innen knapp. Die langen Wartelisten für die Altstadtgaragen A und B zeigen das deutlich. Gleichzeitig werden mit der vom Altstadtverband ausdrücklich begrüßten Begegnungszone zwischen Neutor und Museumsplatz weitere oberirdische Stellplätze wegfallen.
Wer möchte, dass wieder mehr Menschen dauerhaft in der Altstadt leben, muss daher unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen. Nicht jede und jeder benötigt ein Auto – für manche Bewohner:innen ist es aufgrund ihrer familiären, beruflichen oder persönlichen Situation jedoch unverzichtbar. Bereits heute gibt es Wohnungen in der Altstadt, deren Vermietbarkeit durch die fehlende Möglichkeit eines Stellplatzes erheblich eingeschränkt wird, wie Vermieter:innen bestätigen.

Lebenswerte Altstadt braucht Alltagstauglichkeit
Das Ziel einer modernen Stadtpolitik kann nicht sein, das Wohnen in der Altstadt schwieriger zu machen. „Wir wollen eine lebendige Altstadt, in der gewohnt, gearbeitet, eingekauft, gelernt und gelebt wird – und keinen Stadtteil, dessen Alltagstauglichkeit Stück für Stück verloren geht“, erklärt Roland Aigner, Geschäftsführer des Altstadtverbands Salzburg.
Den Rot-Kreuz-Parkplatz als „Überbleibsel einer Retro-Verkehrspolitik“ abzutun, löst die bestehenden Herausforderungen nicht. „Wenn überhaupt, zeigt der Begriff „Retro“, dass die Frage nach einer vernünftigen Organisation des Anrainer- und Wirtschaftsverkehrs seit vielen Jahren besteht und bislang nicht ausreichend gelöst wurde“, ergänzt Christian Wieber, Obmann des Altstadtverbandes Salzburg.

Rot-Kreuz-Parkplatz als Multi-Mobilitäts-Hub
Der Altstadtverband Salzburg schlägt vor, einen Schritt weiterzugehen: Der Rot-Kreuz-Parkplatz sollte umgehend zu einem modernen Multi-Mobilitäts-Hub für die Altstadt entwickelt werden. Dazu gehören Radabstellflächen mit Storage-Möglichkeiten, Infrastruktur für Lieferdienste, Handwerker:innen und Konsument:innen, die Waren abholen oder anliefern. Gleichzeitig braucht es auch Quartiersparkplätze für Bewohner:innen.

Intelligente Mobilität, statt Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen
„Unser Ziel ist nicht der Erhalt des Rot-Kreuz-Parkplatzes in seiner heutigen Form. Unser Ziel ist seine Weiterentwicklung: weg vom Touristenparkplatz, hin zu einem intelligenten Bestandteil des Mobilitätsplans 2040 – und damit zu einem Beitrag für eine alltagstaugliche, lebendige und moderne Altstadt“, so die Verantwortlichen des Altstadtverbandes Salzburg.
Eine gemeinwohlorientierte Verkehrspolitik sollte nicht einzelne Verkehrsmittel gegeneinander ausspielen. Sie muss dafür sorgen, dass die Altstadt für möglichst viele Menschen gut erreichbar, lebenswert und vor allem dauerhaft bewohnbar und attraktiv bleibt.

Bilder

Kontakt