19.10.2026

Vier Tage voller „True Moments“ bei Jazz&TheCitysounds 2026

Mit einem fulminanten Abschlusskonzert von Ernst Molden und den Neuen Wiener Concert Schrammeln ging Jazz&TheCitysounds am 18. Oktober erfolgreich zu Ende. Internationale Klangvielfalt, überraschende Begegnungen, spannende Cross-Overs und besondere Konzertmomente waren vom 15. bis 18. Oktober 2026 vielerorts in Salzburg zu erleben. Vier Tage lang verwandelte das vom Altstadtverband Salzburg veranstaltete Festival die Altstadt bei freiem Eintritt in eine internationale Bühne für Jazz, Global Groove, Electronic Music und Improvisationskunst. Rund 25.000 Besucher:innen ließen sich an 20 Spielstätten von rund 140 Künstler:innen aus dem In- und Ausland begeistern. Die Altstadt war pulsierender Treffpunkt für flanierende Musikfans aus Stadt und Land Salzburg, kulturaffinen Tagestourist:innen oder Wochenendgästen. Damit unterstrich das Festival einmal mehr seine Bedeutung als kultureller Publikumsmagnet und lebendiger Impulsgeber im herbstlichen Salzburg.

Die Altstadt Salzburg pulsierte vier Tage lang
Bereits der Festivalauftakt in der SZENE zeigte die musikalische und internationale Bandbreite von Jazz&TheCitysounds 2026: Die österreichische Sängerin LYLIT begeisterte mit einer intensiven Mischung aus Jazz, Pop und Soul, während die mauretanische Musikerin Noura Mint Seymali, bekannt als „Diva der Wüste“, mit hypnotischen Rhythmen aus der Sahara, dem Maghreb und Westafrika das Publikum mitriss. Beide Acts wurden vom Publikum frenetisch gefeiert und zeigten, wie inspirierend musikalische Grenzen überschritten werden können.
In der Kollegienkirche beeindruckte Sophie Abraham im Rahmen von Art of Solo mit einem ebenso konzentrierten wie unmittelbaren Konzerterlebnis. Das radio.string.quartet setzte mit Kompositionen aus seinem dem Element Luft gewidmeten Album ein visionäres Zeichen für kreative Freiheit und musikalische Offenheit. Wie sich die vier Musiker:innen die besondere Akustik der Kollegienkirche zu eigen machten, um ihre Musik wie einen Vogel in lichte Höhen steigen zu lassen war beeintruckend.

Zu einem frühen Höhepunkt am Freitag, 16. Oktober, geriet der Auftritt des New Yorker Duos Nat Osborn und Mike Parker. „Mit ihrer Mischung aus Jazz, Blues, Soul und Bluegrass verkörpern sie all das, was wir an Amerika mögen oder einmal mochten“, meinte der künstlerische Festival-Koordinator Markus Deisenberger in seiner Einführung. Passenderweise titelte dann ihr zweiter Song mit "Losing my country". Trotz kritischer Untertöne zündete die groovige Mischung: Standing Ovations. Die gab es auch beim zweiten Konzert des Abends in der SZENE Salzburg: Meral Polat präsentierte sich als wahre Urgewalt. Ihre Melange aus kurdischem Folk und anatolischem Rock riss das Publikum mit. Die zeitgleich gefeierten Auftritte von Jordina Milla & Agustí Fernández, Myra Melfords Fire and Water Quintet und des Andy Sheppard Trios im Domquartier, werden auf ORF-Radio Ö1 nachzuhören sein. Besonders berührend geriet dabei die gefeierte Zugabe des Andy Sheppard Trios, das der verstorbenen Carla Bley gewidmet war. Der Auftritt des als "Enfant terrible" des französischen Jazz gefeierten Trompeters daoud geriet schließlich zur Dance-Party. "Wenn grauhaarige Altjazzer und Teenager gemeinsam zur Musik tanzen, haben wir genau das erreicht, was wir uns für dieses Festival vorgenommen haben", freute sich das Kurator:innen-Team bestehend aus Katrin Pröll, Jakob Flarer, Helge Hinteregger und Markus Deisenberger. Getanzt wurde auch am Residenzplatz zu Afro-Beats von Les Freres Smith und Bedouin-Funk von Yemen Blues.
In der Kollegienkirche verliehen nach dem freigeistigen Gitarrenspiel von Eric Arn und der zornigen Liedkunst Ian Fishers die melancholischen Balladen von Avin Ahmadi dem Abend, welcher der iranisch-amerikanischen Freundschaft gewidmet war, einen würdevollen Abschluss.

Der Samstag, 17. Oktober, brachte mit Suonno d'Ajere und Cleo Reed gleich zwei Höhepunkte der Programmreihe City Stories, deren Musik die Metropolen reflektiert, aus denen die Musiker:innen kommen. Nach Nouakchott, Paris, Amsterdam und Teheran waren am Samstag Neapel, New York und Casablanca an der Reihe. Großer Jubel und drei Zugaben im Solitär der Universität Mozarteum waren zu erleben. Indessen präsentierten Jozef van Wissem Lautenmusik zwischen Barockmusik und dunkler Avantgarde und Sladek ihren europaweit gefeierten Soul. 
Zum absoluten Höhepunkt geriet der Auftritt von Bab L' Bluz aus Marokko. Ihre wilde Mischung aus Gnawa und psychedelischem Afro-Rock verzückte das Publikum geradezu. Extase pur.

Einmal mehr wussten auch die Soloauftritte aus der Reihe The Art of Solo zu überzeugen. Ob Sophie Abraham oder Lukas Lauermann, dessen Musik er im Gewölbe im arthotel Blaue Gans Schicht für Schicht auftrug und einmal mehr zeigte, wie wichtig bei Jazz&the Citysounds die besonderen Spielorte in der Altstadt Salzburg für die Entfaltung der Musik sind. Die Darbietungen von Martin Klein, Maria Mogas Gensana und Andreas Tentschert reihten sich da nahtlos ein. Fordernde, spannende Darbietungen, die sich den Raum des Domquartiers oder der Kollegienkirche gekonnt zu eigen machten. Auch die Impro-Sessions im arthotel Blaue Gans, bei denen einmal New Yorker Künstler:innen auf lokale Größen trafen oder Martin Klein mit den kolumbianischen Musiker:innen von Addict Ameba aufspielte, waren ein großer Publikumsmagnet. Die Lust auf spontane, unerwartete Musik, die im Moment geschieht, scheint größer, denn je und untermauerte eindrucksvoll das Festival-Motto "True Moments".

Der abschließende Sonntag, 18. Oktober, war dann den eher leisen Tönen gewidmet: HALS zeigten in der Kollegienkirche, wie modern und facettenreich A Capella-Musik klingen kann. Das ukrainische Duo Heinali & und Andriana-Yaroslava Saienko bekämpfte seine Kriegstraumata mit Hildegard von Bingen-Liedern, die sie mit elektronischen Drones kurzschlossen. Ein spirituelles Erlebnis, das viele Besucher:innen staunen ließ. Und Terrea sorgten mit ihrer arabisch-iranischen Fusion für einen weiteren, wenn auch leisen World-Music-Akzent.

Ernst Molden und die Neuen Wiener Concert Schrammeln lieferten schließlich ein würdiges und vielumjubeltes Jazz&theCitysounds-Schlusskonzert, das wie auch das gemeinsame Album "Mei Liab" der Liebe gewidmet war. "Wir hätten uns keinen schöneren Abschluss vorstellen können", fasst der künstlerische Leiter Markus Deisenberger den überwältigenden Publikumserfolg zusammen.

"Unser Festival Jazz&TheCitysounds ist ein beliebter Treffpunkt für Musiker:innen und Publikum, die als Stadtbesucher:innen die echten Konzertmomente und Begegnungen schätzen. Am Ende des Festivals freuen wir uns über rund 25.000 Konzertbesucher:innen sowie viele tausende Menschen, die unsere Altstadt en passant als weltoffenen, toleranten und verbindenden Ort des Miteinanders erlebt haben", bilanziert Roland Aigner, Geschäftsführer des Altstadtverbandes Salzburg zufrieden. Rechnet man das Pre-Opening dazu, das schon am Mittwoch, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung Jazz und Global Groove in ausgesuchten Gasthäusern und Bars präsentierte, mitzählt, waren es erstmals sogar fünf außergewöhnliche, musikalische Stadterlebnistage inmitten der Altstadt Salzburg.

Auch 2027 wird Jazz&TheCitysounds wieder Musikliebhaber:innen in die Altstadt locken. Der Termin wird bekanntgegeben.

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