Heinali & Andriana – Yaroslava Saienko (UKR)
„Гільдеґарда“ („Hildegard“ auf Ukrainisch) ist eine einzigartige Neuinterpretation der Musik von Hildegard von Bingen. Das Projekt verbindet die Stimmbildungsansätze des authentischen ukrainischen Volksgesangs mit modularen Synthesetechniken, die aus der hochmittelalterlichen Polyphonie und Monophonie stammen. Dieser Ansatz, umgesetzt von Heinali, einem Komponisten elektronischer Musik, dessen Werk die Traditionen der westlichen mittelalterlichen Musik durch modulare Synthese erweitert – und Andriana-Yaroslava Saienko, einer Sängerin, die die authentische ukrainische Gesangstradition pflegt, hebt die der visionären Musik Hildegards innewohnende Körperlichkeit hervor und dient als ferner Spiegel, um Kriegserfahrungen zu reflektieren, zu begreifen, zu veräußern und zu überwinden.
Künstler:in
Heinali & Andriana – Yaroslava Saienko (UKR)
"Als eine russische Rakete unweit meines Ateliers in Kiew einschlug, reagierte mein Körper auf die Explosion Millisekunden bevor mein Verstand es tat" erinnert sich der Komponist und elektronische Musiker Oleh Shpudeiko alias Heinali. "Diese traumatische Explosion versetzte mein Innerstes in einen urzeitlichen Zustand. Es gab nichts als Furcht – jene Art von Furcht, die in der Heiligen Schrift das Erscheinen von Engeln begleitet, die verkünden: Fürchtet euch nicht."
Was hat das mit der Musik von Hildegard von Bingen zu tun, die Heinali mit der Sängerin Andriana-Yaroslava Saienko neuinterpretiert? Auch den Visionen der Äbtissin, Komponistin und Mystikerin Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert gingen helle, qualvolle Lichtblitze voraus. Die moderne Medizin führt sie auf Cluster-Migräne zurück, zu deren Symptomen die Netzhautaura gehört, die oft mit verschwommenem Sehen und blinden Flecken einhergeht. "Hildegards Musik kann den Körper ihrer Interpreten stark beanspruchen, da sie unangenehme Intervalle und den großen Abstand zwischen der tiefsten und der höchsten Tonhöhe betont. Im Vergleich dazu stellt der gregorianische Gesang, der liturgische Standard jener Zeit, einen gemäßigten Versuch dar, Gott intellektuell zu erfassen; tatsächlich wurde Hildegards Musik einmal als ein Dynamitstange beschrieben, die in einen gregorianischen Gesang geworfen wurde."
Location
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Universitätsplatz 1
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